Achtung vor Essstörungen bei Kindern

KINDER und ESSEN

Hilfe, mein Kind will immer das gleiche essen!

Kindererziehung ist nicht immer leicht. Aber man kann es sich auch schwerer machen, als es ist.  Seitdem man (vor allem die meisten von uns) Kinder nicht mehr “dressiert”, sondern alles ersucht um sie liebevoll zu erziehen und damit beispielsweise nicht mehr alles auf- und gegessen werden MUSS, was auf den Tisch kommt, wird über jedes kleinste Detail geredet und verhandelt.

All diejenigen, die regelmäßig den Kochlöffel für ihren Nachwuchs schwingen, wissen was es heißt, Kindern eine bunte Vielfalt anzubieten. Das kostet manchmal Nerven und man ist oft verführt, nur mehr das zu Kochen, was die Kids gaaaaaanz bestimmt essen…denn oft wird Neues verweigert, obwohl gar nicht gekostet. Wenn probiert, dann eher widerwillig, mit Grimassen des Ekels oder die neue Speise wird sofort wieder ausgespuckt. Wobei ich nicht Spinat, Brokkoli oder Kohlsprossen meine…

Mitunter kann dies ein laaaaaanger Prozess sein. Aber man darf nur eines nicht tun: Aufgeben. Und ja nicht (!) das gewünschte Essen dann nach der eigentlichen Mahlzeit doch noch zubereiten.

Was beispielsweise vor einem halben Jahr als geschmacklich grauslich empfunden wurde, kann auf einmal zur Lieblingsspeise mutieren. Der Grund: Die Geschmacksknospen. Als Baby haben wir 10.000, diese werden im Laufe der Zeit immer weniger. Als Erwachsener haben wir meist nur noch etwa 5000 zur Verfügung. Die Geschmäcker sind also nicht nur verschieden, sondern vor allem für Kinder sehr viel intensiver. Wichtig wäre: Das spielerisches Kennenlernen der verschiedenen Geschmäcker. Unserer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

ananas-beeren-birne-1132047

Immer wieder geduldig ausprobieren aber keinesfalls erzwingen lautet die Devise.

Warum eigentlich so ein Theater?

Die Zahl der essgestörten Kinder steigt an und betrifft auch schon Kleinkinder. Essstörungen sind multifaktoriell bestimmt und entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Kinder sind von ihren Eltern bzw. Bezugspersonen abhängig. Das Einzige, das sie weitgehend autonom steuern können, ist Essen. Die Ursachen für essgestörtes Verhalten liegen meist innerhalb der Familie: nicht funktionierende Familienstrukturen, Alkohol und Missbrauch spielen dabei ebenso eine Rolle wie ausgeprägtes Leistungsdenken, Überbehütung und Perfektionismus. Man meint man tut dem Kind schlichtweg Gutes, wenn man nur das kocht, was es will. Leider ein Trugschluss.

Ernstzunehmende Störungen haben ihren Ursprung immer im Familienkontext. Laut Experten liegt einer diagnostizierten Essstörung meist ein Mutter- Kind Bindungsproblem zugrunde. Wir als Eltern tragen die Verantwortung.

Ich habe mit der Expertin Dr. Petra Dall, eine Linzer Kinderpsychiaterin mit etlichen essgestörte Kinder und Jugendlichen in Behandlung, zu einem Gespräch gebeten. Klick dich rein und wir gehen den Ursachen auf den Grund.

https://soundcloud.com/conny-duernberger/gsundpudeln-der-podcast-dieses-mal-zum-thema-essstorungen-bei-kindern

Passend zum Thema möchte ich euch Valeries Mohnnudel – Geschichte erzählen. Geschehen im Hause Dürnberger.

Ich will Mohnnudeln!

Meine 4 jährige Tochter wollte zu diesem Zeitpunkt nichts Anderes essen, als Mohnnudeln (ihr präferiertes Repertoire umfasste aber auch Palatschinken, Hendel mit Schale oder Nuggets).

Nun zu diesem Zeitpunkt waren die Mohnnudeln hoch im Kurs.

Am liebsten jeden Tag. Seit sie im Kindergarten kredenzt wurden, hat meine Kleine eine ichwillsiejedentag – Lieblingsspeise.

Jeden Tag die gleiche Wortspende: „Gibt es heute Mohnnudeln?“ weniger fragend, als fordernd. Dabei blickt sie mir erwartungsvoll in mein Gesicht…Mir ist die vielfältige, ausgewogene und bunte Ernährung sehr wichtig, deshalb komme ich solchen Wünschen nicht nach. Was nicht heißt, dass sie nie Mohnnudeln bekommt.

Ich stelle ihr ihren Teller mit dem Mittagessen dieses Tages hin. Den Tränen nahe schickt sie mir einen Blick eines enttäuschten, verständnislosen Hundewelpens. Mein mütterlicher ichwillallesfürmeinekindertun – Anteil schreit: „Rabenmutter, mach ihr soooofooort Mohnnundeln!“ Mein vernünftiger, gesundheitsbewusster Anteil gewinnt diesen inneren Disput.

Spielerisch, zum Glück habe ich Hilfe an meiner Seite, schnabulieren Laura, meine 8jähirge Tochter und ich einen Bissen nach dem anderen. Valerie schaut uns schmollend zu. Wir geben lustvolle Laute von uns. „Mmmmhhh, Valerie, da musst du kosten. Das ist so lecker“, versucht Laura, sie zu dem Geschmackserlebnis zu überreden. Als ältere Schwester hat sie großen Einfluss und ich versuche geschickt die Macht der Vorbildfunktion zu nutzen.

Apropos Vorbildfunktion. Auch ich gebe mir größte Mühe meine Kinder zu Nachahmung zu ermutigen. In vielen Fällen gelingt es mir auch. Natürlich aber nicht immer.

Ernährungstechnisch versuche ich sie mit allen Sinne für Speisen zu begeistern und integriere sie bewusst in den Prozess. Das gemeinsame Erstellen von Essenspläne, ein gemeinsamer Einkauf und die damit verbundene Zubereitung(aber auch das Aufräumen) sind Bestandteil unserer Erziehung.

Zurück an den Mittagstisch.                                                                                                       Schön langsam wecken wir durch unser mehr oder weniger übertriebenes Schauspiel ihr Interesse. Der bis dato abweisende Blick ist nun auf ihren Teller gerichtet. Mein Herz jubelt, ein wenig, als die den Löffel und ein Millimeterchen der Speise auf die Zunge schiebt. „Grauslich“, sagt sie und weiter „Ich will Mohnnudeln!“ Ich reagiere nicht und wir machen weiterhin lustvolle Schmatzgeräusche. Es ist mühsam und anstrengend. Und es dauert. Dieses Theater zieht sich noch ein wenig dahin. Ich habe mittlerweile aufgegessen und sage sanft aber bestimmt: „Heute gibt es keine Mohnnudeln. Wenn du das nicht willst, dann gibt’s eben nichts. Iss halt den Serviettenknödel oder die Kartoffel, probier sie einfach mal, sie schmecken so gut,“ sage ich sanft, streichle ihr über ihre Schulter und esse weiter.

Mein Kopf meldet sich wieder: füttere dein Kind, es verhungert, du bist eine echte Rabenmutter. Aber ich bleibe standhaft. Meinem Kind zuliebe. Denn ich habe ja erkannt, dass es in dieser Situation um weit mehr geht als „nur ums Essen“.

Ich trage meinen Teller in die Küche und: die Kleine beginnt zu essen. Ob sie noch eine Kartoffel haben könne, beruhigt mich und bestätigt mein Verhalten. Diese Szene war keine einmalige Aktion. Sie äußert ihre Wünsche immer wieder. Aber ich komme ihnen nicht immer nach. Mittlerweile lässt sie eine bunte Vielfalt zu. Wenn auch mit Präferenzen, aber die hat jeder.

IMG_9661

Wie essen eure Kinder? Wie seht ihr das Thema? Oder hat ihr Fragen? Ich freu mich über eure Kommentare oder eure Email unter gsundpudeln@gmx.at.

Danke für Reinschauen auf gsundpudgeln.com – Dicker Schmatzumarmer und sei lieb zu dir, deine Conny Dürnberger.

Tipps wie man Kindern eine gesunde Ernährung näher bringt gibt’s nächstes Mal hier im gsundpudeln-Blog.

Freuen uns über eure Kommentare 🌸